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Skandal: Schüler wurde jahrelang vom Lehrer abgehört

Schule HalleJahrelang wurden Schüler am Kreisgymnasium Halle von ihrem Lateinlehrer gezielt und systematisch abgehört. Das jedenfalls behauptet die Internetplatform Kaisileaks. Sie stützt sich auf die erschütternde Aussage des 19-jährigen Sven R. aus Versmold. Er ist jedoch kein Einzelfall. Wie der Kaiserschmarrn recherchierte, hat es auch an anderen Schulen millionenfach Verletzungen von Persönlichkeitsrechten, Einschüchterungen und Zwangsmaßnahmen gegeben.

„Die Verhöre liefen immer nach dem gleichen Muster ab. Ich trat vor die Klasse, er nannte mir lateinische Wörter und ich musste sie ins Deutsche übersetzen“, berichtet der heute  19-Jährige. Vielen seiner Mitschüler sei es ähnlich gegangen. Darüber hinaus wurden er und seine Klassenkameraden auch von anderen staatlichen Lehrkräften mehrmals im Jahr zu schriftlichen Äußerungen genötigt. „Wir mussten dann ganz still sitzen. Uns wurde verboten zu sprechen oder auch nur den Kopf zur Seite zu wenden. Wer dagegen verstieß, musste mit Zwangsmaßnahmen rechnen“, erinnert sich R. an diese dunklen Stunden. Doch auch diejenigen, die geduldig und ohne aufzubegehren die auferlegten Aufgaben angingen, waren keinesfalls vor Sanktionen gefeit. „Wer dabei die Rechtschreibnorm und die Grammatikordnung missachtete oder sich nicht an die Bruchrechenregeln hielt, wurde mit abwertenden Äußerungen und beleidigenden Urteilen belegt. Solche Aufzeichnungen haben die Durchseher brutal und rücksichtslos mit roter Farbe zusammengestrichen. Es war so furchtbar“, berichtet der 19-Jährige mit tränenerstickter Stimme. Repression, Bestrafung und Angst ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jugendjahre von Sven R. „Die Zensur war ihr Prinzip. Alles musste sich dem unterordnen“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Manchmal habe ich mich nur noch mangelhaft und ungenügend gefühlt.“

13 Jahre lang dauerte dieses Martyrium. 13 Jahre lang wurden er und seine Leidensgenossen gezwungen Tag für Tag jeden Vormittag still auf einem vorbestimmten Stuhl auszuharren. Nur ab und zu unterbrachen kleinere Pausen die Marter. „Wir durften in dieser Zeit weder Essen noch Trinken“, berichtet er. Wer aufbegehrte oder gegen Regeln verstieß musste länger bleiben. „Nachsitzen“ nannten die Peiniger diese Foltermethode.

Nachdem Sven R. im Alter von 15 Jahren besonders intensiv auf seine Freiheitsrechte gepocht, sich immer wieder den geforderten Zeichen-, Grammatik- und Rechtschreibregeln widersetzt hatte, drohte die Schule in einem herabwürdigenden Schreiben, ihn zukünftig von seinen Klassenkameraden zu separieren. „Ich habe es zunächst nicht ernst genommen. Doch einige Monate später musste ich die Vormittage in einer anderen Klasse absitzen. Alle waren jünger als ich. Ich kannte kaum einen. Es war nur noch schrecklich.“

Dass Sven R. diese Zeit ohne größere psychische Schäden überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Heute lebt er zurückgezogen in einem Bergdorf im Teutoburger Wald, wo er Vorsitzender eines Bürgerbegehrensgeworden ist. Als wir sein Haus besuchen, hängen Transparente an der Wand: „Rechtschreibung ist der Anfang allen Unrechts“ und  „Brecht mit den Bruchregeln“ steht dort. Sven R. kämpft noch immer einen einsamen Kampf gegen ein schier übermächtiges System.

Foto wurde nicht verändert

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