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Nach Pokémon kommt jetzt FIFA Go

Pokémon Go ist out: Jetzt kommt Fifa Go. Foto: © lumenphotos - Fotolia.com

Pokémon Go ist out: Jetzt kommt Fifa Go. Foto: © lumenphotos – Fotolia.com

Altkreis Halle (Kaisch). Gut 170 meist männliche Jugendliche tummeln sich auf dem Sportplatz in Oesterweg. Tummeln ist dabei eigentlich das falsche Wort: Die einen sprinten über den Platz, andere springen, scheinbar einem plötzlich Impuls folgend, in die Luft und schnellen dabei ruckartig mit dem Kopf nach vorn. Immer wieder treten die Kids nach unsichtbaren Gegenständen. In der Platzmitte rutscht ein etwa Zwölfjähriger mit lang ausgestreckten Beinen über den Rasen, ein anderer, nur wenige Meter weiter ist in einen Streit mit einem unsichtbaren Gegenüber verstrickt, während ein kleiner korpulenter Siebenjähriger an ihm jubelnd auf Knien vorbeigleitet. Alle haben eines gemeinsam: Sie starren auf ihr Smartphone und spielen FIFA Go.

„Pokémon ist out. FIFA Go ist jetzt geilofaxomat“

Gerade eine Woche ist Pokémon Go in Deutschland auf dem Markt, da ist das neue Augmented-Realty-Spiel schon wieder veraltet. „Pokémon ist out. FIFA Go ist jetzt geilofaxomat. Voll episch“, sagt Ben (14) aus Halle. Wie die anderen auf der Hesselsportanlage, hat auch er sich die neue App FIFA Go heruntergeladen und spielt nun in einer realen Umgebung Bundesliga- und internationale Spiele nach. Mit der Outdoor-Version seiner Fußball-FIFA-Reihe hat der Hersteller AE Sports offensichtlich einen Coup gelandet.

Boateng getunnelt

„Das ist ist voll krass real. Ich spiele mit Ronaldo und Messi in einer Mannschaft und habe gerade Boateng getunnelt“, sagt der zwolfjährige Niklas aus Hesselteich, ohne den Blick von seinem Handy zu nehmen. Auch er hat wie alle anderen um beide Fußgelenke sowie um den Kopf ein Band mit roten Punkten geschnallt. „Die Punkte sind GPS-Empfänger, mit deren Hilfe die App die genaue Position von Kopf und Fuß ermittelt. Aus den Bewegungsdaten kann das Programm errechnen, auf welche Art und Weise die Spieler einen imaginären Ball treffen und anschließend auch die Flugbahn des Spielgerätes exakt abbilden.
Auf seinem Smartphone erlebt sich der Spieler so eingebunden in die Realität eines Fußballspiels und zusammen mit seinen Idolen feiert er Erfolge und muss Niederlagen wegstecken“, erklärt AE-Produktmanager Fred Skybroker sichtlich begeistert.
Fred Wecker, Platzwart in Oesterweg, ist indes erschüttert: „Fußball hat doch nicht umsonst den Ball im Wort. Ich sehe hier keinen, sondern nur völlig durchgeknallte Kids, die wie die Bekloppten durcheinanderrennen und mir den Platz kaputt machen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Dann springt er hoch, weil der siebenjährige Sven aus Versmold in Kamikazestil und mit gestreckten Beinen seine Schienbeine ins Visier genommen hatte. „Sorry, aber der Italiener war durch. Und wir führen 1:0. Es ist schließlich das WM-Endspiel. Da musste ich die Notbremse ziehen“, erklärt er und breitet entschuldigend seine Arme aus.

13-Jähriger steht seit eineinhalb Tagen regungslos im Strafraum

„Ich sag’s ja, völlig durchgeknallt“, murmelt Wecker und fasst sich an die Wade, die Sven offensichtlich doch touchiert hatte. „Verletzungen kommen vor“, gibt Skybroker zu und fügt erklärend an: „Die Jungs sind einfach so in ihrem Spiel, dass sie alles um sich herum vergessen.“
Wie der Kaiserschmarrn erfahren hat, sind erst gestern in Werther zwei 15-Jährige bei vollem Sprint mit den Köpfen aneinandergerasselt, im Krankhaus Halle werden verstärkt schwere Verbrennungen registriert, weil Jugendliche im Torjubel mit den Knien über den Kunstrasen rutschen und in Hesseln steht seit eineinhalb Tagen ein 13-Jähriger regungslos und breitbeinig in Ronaldo-Pose im Strafraum, starrt auf sein Smartphone, dessen Akku leer ist und wartet, dass der Schiedsrichter endlich den Elfmeter freigibt. Vergeblich haben Eltern, Freunde und die Freiwillige Feuerwehr bereits versucht ihn davon zu überzeugen, endlich nach Hause zu gehen.
„Das muss verboten werden“, sagt Fred Wecker, macht einen Schritt auf das Spielfeld – und geht nur wenige Sekunden später mit einem Schmerzenslaut zu Boden. „Der Italiener – er war wieder durch“, sagt Sven, während Wecker sich nun stöhnend das rechte Schienbein hält und ergänzt mit zum Jubel hochgerissenen Armen: „Aber jetzt haben wir den fünften Stern.“

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