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Busfahren soll Schulfach werden

Bald Schulfach: Fahren mit dem Schulbus. Foto: © seanlockephotography - Fotolia.com

Bald Schulfach: Fahren mit dem Schulbus. Foto: © seanlockephotography – Fotolia.com

Halle-Hörste (Kaisch). Die Verantwortlichen haben nach den Vorkommnissen an einer Haltestelle in Hörste schnell reagiert. Ein Schulbusfahrer hatte dort Kinder, die den Bus verunreinigt hatten, 20 Minuten lang eingesperrt. Nun soll Busfahren Schulfach an weiterführenden Schulen werden. Das hat die eilig einberufene Kultusministerkonferenz beschlossen. „Wir üben mit Kindergartenkindern, richtig über die Straße zu gehen und machen mit Grundschülern die Fahrradprüfung, aber wie sie sich im Bus verhalten sollen, das sagen wir ihnen nicht und wundern uns anschließend, wenn es zu Problemen kommt“, erklärte eine Sprecherin des NRW-Kultusministeriums.

In der kommenden Woche wird ein Gremium aus Kinderpsychologen, dem Vorstand der Busfahrergewerkschaft »Haltestelle«, Elternvertretern und Pädagogen einen Lehrplan erarbeiten. „In nur drei Jahren sollen die Kinder befähigt werden, selbst schwierigste Übungen, wie 20-minütiges Sitzenbleiben und dem Verzicht auf die Verbreitung von Essensresten sicher beherrschen“, so die Sprecherin.
Kritik erntet dieses Vorhaben von Bernd Sümmermann. Der Autor des Buches »Dein Kind, Partner und Freund« spricht in diesem Zusammenhang von einem „Rückfall in die Zeiten reaktionärer Kindesgängelung“. Statt die Heranwachsenden mit der Einübung gewünschter Verhaltensweisen zu dressieren, gelte es ihre Bereitschaft zu freiwilligem Tun zu fördern. „Besser, als Fahrschülern unter Androhung von Strafen zu verbieten, Brote an die Scheiben zu schmieren ist es, sie zu belohnen und zu loben, wenn sie einmal ihren Platz sauber hinterlassen. Beispielsweise durch kleine Geschenke oder Auszeichnungen, wie den »Fahrschüler der Woche«. So ziehen wir mündige Bürger heran, die erkennen, dass sich umsichtiges Verhalten lohnt“, so Sümmermann.

„Wir setzen nun ganz auf die Belohnungsstrategie“

Gute Erfahrungen hat Nicole Möller-Schultenbeck aus Hörste mit diesem Prinzip gemacht. Früher sei ihr Kai-Malte (4) ein ganz schwieriger Junge gewesen, berichtet sie. Dann habe sie die Ratschläge aus »Dein Kind, Partner und Freund« konsequent befolgt. „Wir setzen nun ganz auf die Belohnungsstrategie. Wenn Kai-Malte mich einen Tag lang nicht tritt, das Spucken ins Essen weitgehend vermeidet und seinen Vater nicht alter Blödmann, sondern nur Blödmann nennt, bekommt er von mir am Abend für jedes positive Verhalten einen Smiley auf sein iPhone 6 geschickt. Am Ende der Woche kann er dann entscheiden, ob er die Smileys gegen ein Computerspiel eintauschen will, lieber für den Ultra-HD-LED-TV-Flachbildschirm spart, den er sich schon so lange wünscht, oder sie mir zurücksendet, damit ich ihn eine Woche lang zur Kita trage“, berichtet die 36-Jährige.
Durchaus aufgeschlossen steht auch die Elterninitiative »Mein umsorgter Schatz« (MuS) den Vorschlägen Sümmermanns gegenüber. „Uns ist es jedoch hinsichtlich von Problemen im Fahrschülerbereich wichtig, die wahren Ursachen für das Verhalten der Kinder zu betrachten“, erklärte der MuS-Vorsitzende Jörg Darenberg-Kroschinski. Grund für die Verschmutzung von Bussen durch Schulkinder ist seiner Meinung nach das nicht mehr zeitgemäße Angebot der Busbetriebe und die daraus resultierende verständliche Langeweile der Kinder. Darenberg-Kroschinski schlägt daher vor, beispielsweise TV-Geräte in die Rückseite der Sitze zu integrieren, die Busse an jedem Platz mit Tablets auszustatten und Erfrischungsgetränke und kleine Snacks anzubieten. „Wenn wir nicht wollen, dass Kinder ihre Brote an die Fenster schmieren, müssen wir Alternativen anbieten. Beispielsweise, indem wir Fenstermalstifte zur Verfügung stellen.“ Deren Farbe sei problemlos abwischbar. Außerdem regt der MuS-Vorsitzende an, als Voraussetzung für den Erwerb des Schulbusführerscheins ein zweijähriges Pädagogikstudium verpflichtend vorzuschreiben. „Es kann doch nicht angehen, dass wir unsere Kinder pädagogisch ungebildeten Fahrern anvertrauen“, so Darenberg-Kroschinski und fügt hinzu: „Es ist Zeit, dass sie mehr Verständnis für die Bedürfnisse ihrer kleinen Passagiere entwickeln.“

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